Biologie & Chemie

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 Biologie  &  Chemie  der Rurstrecke Düren

 

Die Biologie

Ähnlich des Schulnotensystems von 1-6, werden Gewässer in Güteklassen von 1-4 eingestuft. Dabei ist die Klasse 1 mit sauerstoffreichem, schadstofffreiem, aber auch nährstoffarmen Quellwasser zu vergleichen, während die Klasse 4 in hohem Maße Schadstoff belastet ist und für Fische kaum noch Überlebenschancen bietet. Dies bedeutet aber nicht, dass dort nicht auch noch Lebewesen existieren.

In Fließgewässern ist die biologische Untersuchung von hoher Wichtigkeit, da mit ihr eine Langzeitbestimmung durchgeführt werden kann, während chemische Untersuchungen meistens eine Momentaufnahme darstellen.

Für Angler und besonders für Fliegenfischer, ist die Biologie meist auch einfacher nachzuvollziehen, da es häufig die Originale der zum Fliegenfischen verwendeten Kunstfliegen sind, die den Gewässerindex bestimmen.

Der Kreisfischereiverein Düren führt regelmäßig, 2 mal im Jahr (zeitgleich mit fast allen Vereinen der Hegegemeinschaft Rur), eine biologische Untersuchung, im Abschnitt unterhalb der Lendersdorfer Brücke, durch.

 

 

 

Chronologie einer biologischen Gewässeruntersuchung im Herbst 2001 an der Lendersdorfer Rur.

 

Eintagsfliegen, Bachflohkrebse und Steinfliegenlarven sind wichtige Indikatoren zur Gewässergütebestimmung.

 

 

 

 

 

 

Fachliteratur und das nötige Equipment zur Bestimmung der einzelnen Individuen sind stets vor Ort.

 

 

 

 

 

Jedes Individuum hat seinen bestimmten Güteklassenwert (Saphrobienindex) , nach deren Vorkommen und Artenvielfalt letztendlich die Gewässergüteklasse ermittelt wird.

 

 

 

 

 

Zunächst wird an verschiedenen Stellen der Gewässergrund mit  einer Harke aufgekratzt und die aufschwimmenden Individuen in einem Sieb aufgefangen. Hierbei werden verschieden Strömungsbereiche ausgewählt, um auch die Artenvielfalt zu erfassen.

 

 

 

 

 

Dann geht es ans "Erbsenzählen"

In kleineren Mengen wird die zusammengekratzte "Biologie" aufs genaueste untersucht.

 

 

 

Lebewesen, die wegen ihrer Winzigkeit kaum zu erkennen sind, werden unter dem Mikroskop genauer betrachtet und dann ihrer Art zugeordnet.

 

 

 

 

 

 

Im Zweifelsfalle, werden immer wieder die Bestimmungsbücher zu Rate gezogen, um später eine realitätsnahe Gütebestimmung zu erhalten.

 

 

 

 

Meist sind es gute 2 Stunden, bis das letzte Individuum erfasst und in den Auswertebogen zur Gütebestimmung eingetragen ist.

 

 

 

 

 

Im Lendersdorfer Bereich, liegt die Güteklasse der Rur im Mittel bei einem Wert von 1,8.

In den anschließenden PDF-Dateien zum anschauen oder downloaden, können sie eine solche Auswertung in vorgegebenen Erfassungsblättern, einmal näher betrachten.

 

Fotos: Claudia Müller (2001)

 

 Saphrobienindex Frühjahr (PDF)                 Saphrobienindex Herbst (PDF)

Auch wenn unsere Untersuchungen einen laienhaften Anschein erwecken, so brauchten wir Vergleiche mit professionellen Untersuchungen, besonders im diesjährigen Schadensfall, nicht zu scheuen, da die Werte fast identisch waren. 

Hierbei wurde die Wichtigkeit und die Richtigkeit unserer "amateurhaften" Gütebestimmungen unter Beweis gestellt.

Einen Beweis haben wir in jedem Fall, unsere Rur hat im Regelfalle, einen hervorragenden Güteindex !

 

 

Die Chemie

Schule ohne Noten, aber mit guten Werten!

Oder,  wenn  Angler und Schüler gemeinsam die Schulbank drücken.

Sonntagsmorgens 9.00Uhr!

Auf dem Schulhof der Realschule in Jülich treffen immer mehr Fahrzeuge ein, denen seltsame, meist grünlich gekleidete Personen entsteigen. Alle halten geheimnisvolle, milchig-trübe Plastikflaschen in ihren Händen und verschwinden im inneren der Schule. Auch einige Schüler treffen ein und betreten tatsächlich an einem Sonntag und dazu noch freiwillig das Gebäude. Ein Schüler bewacht die Eingangstür und schließt sie hinter jedem Neuankömmling sofort wieder ab. Seltsam , seltsam, was geht hier vor?

Alle steigen die Treppe empor und verschwinden in einem Raum der oberen Etage.

Chemieraum, steht auf dem kleinen Schild neben der Tür, durch die ein Gewirr von sonoren Männer-, hellen Mädchen-, sowie vom Stimmbruch angekratzten Jungenstimmen dringt.

Hinter den gekachelten Bänken stehen „Jung und Alt“ paarweise zusammen und mixen seltsame Tinkturen.

„Doktor Jekyl“ läßt grüßen?

Aber nein! Hier wird weder aus „alt“ -  „jung“, noch umgekehrt, zumindest nicht körperlich. Beim Austausch auf der geistigen Ebene sind da schon eher Annäherungen zu erkennen.

Die Sache scheint jedenfalls sehr viel Spaß zu machen. Doch den möchte ich jetzt einmal, zumindest aus meinen Worten nehmen und den Zusammenhang dieser Symbiose näher erklären.

1998 wurde diese Gemeinschaft durch das Engagement des Chemielehrers Freyaldenhoven und der Gewässerhegegruppe des Fischereibezirks „Jülich-Düren“, ins Leben gerufen.

Die aus den Gewässerwarten der 8 Rur- Anrainervereine bestehende Hegegruppe versuchte schon seit einigen Jahren mit den, ihnen zur Verfügung stehenden Untersuchungsmethoden, die chemischen Parameter der Rurstrecke von Düren bis Körrenzig, zu kontrollieren und aufzuzeichnen.

Als Chemielehrer Freyaldenhoven davon erfuhr, war sofort sein Interesse geweckt und er besuchte uns an einem der Untersuchungstermine im Clubheim des ASV Jülich.

Er sah, staunte und stellte einige interessante, aber für uns Laien, kaum nachvollziehbare Fragen aus den Geheimnissen der Chemie. Ich glaube, dass ihn nur seine zurückhaltende Art davon abhielt, aufgrund unserer laienhaften Analysemethoden, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen.  Vielmehr erklärte er uns höflich, dass sich unter diesen dürftigen Bedingungen, doch der ein oder andere Messfehler einschleichen könnte.           

Die Chemie stimmt, auch zwischen Anglern uns Schülern     

  

Die gemessenen Werte werden in einem vorgegebenen

                           Programm erfasst

Er hielt dann auch nicht lange mit der hervorragenden Idee hinter dem Berg, dass doch die Schüler seiner „AG Chemie“ und die Angler, zu einer Zweckgemeinschaft vereint, den Chemieraum seiner Schule nutzen könnten, um hier mit genaueren Meßmethoden die chemischen Daten der Rur in den Griff zu bekommen. Praxisbezogene Untersuchungen seien auch in der Schule gefragt und der Hegegruppe kämen sie schließlich auch zugute.

Nachdem, bei einer weiteren Besprechung, die zu untersuchenden Parameter, die Anzahl der Proben und damit auch die Probestellen festgelegt wurden, ließen sich die benötigten Reagenzien ermitteln, die bei der Firma „Macherey und Nagel“ in Düren bestellt wurden.

 

Da auch der Schulleiter Herr Hansen und der Vorsitzende des Fördervereins Herr Jung die gemischte Gruppe, nicht mit gemischten Gefühlen, sondern äußerst positiv betrachten,  wurde man sich über deren Finanzierung schnell einig und so teilen sich Angler, Schule und Förderverein die aufkommenden Kosten.

 

Jedes Pärchen ist für einen bestimmten Parameter zuständig     

 

 

     chemische Reaktionen sind oft zeitabhängig

    (Fotos: J.J. Hermanns)    

Es macht schon Freude zuzusehen, wie hier „alter Angleradel“ und 14 - 16 jährige Schüler am Sonntag freiwillig die Schulbank drücken und den Beweis antreten, „Alt und Jung“ geht doch und es macht noch mehr Freude, mitmachen zu dürfen!   

...und wir dürfen!                                              -3 mal im Jahr-

Was dabei herauskommt, lässt sich hier als PDF Datei ansehen und herunterladen.

Chemie der Rur im Jahr 2001 :    Chemie 2001.pdf

Man bedenke jedoch, dass chemische Werte in einem Fließgewässer immer nur eine Momentaufnahme darstellen, die sich kurzfristig ändern können. Dagegen sind bei biologischen Untersuchungen viel längere Zeiträume kontrollierbar.

 

 

Auch in der örtlichen Presse fand diese Zusammenarbeit schon Beachtung, die sich im übrigen nicht nur auf chemische Untersuchungen bezieht. Es werden parallel auch biologische Gewässergütebestimmungen anhand des Saphrobienindexes durchgeführt.

 

Jedenfalls wollen Angler und Schüler über die Gewässerqualität unserer Rur

                                                                 bestens informiert sein !

Ph-Wert gut , sauer oder alkalisch ? das ist hier die Frage !    

 

 

Stand: 16. Mai 2010                TOP   Home  Zurück   Die Fangstationen   Das Bruthaus   Das Wanderfischprogramm